Erst Hungerlohn, dann Altersarmut?!

23. November 2011  Arbeit & Kapital

Viele ArbeitnehmerInnen, die in prekären Arbeitsverhältnissen leben, haben wahrscheinlich hoffnungsvoll aufgehorcht, als die CDU ihre Bereitschaft zur Einführung eines Mindestlohns erklärte. Doch bei genauerem Hinsehen wurde sehr  schnell deutlich, dass es sich dabei um eine Mogelpackung handelte. Denn die von Karl-Josef Laumann, dem Chef des CDU-Sozialflügels, ins Spiel gebrachte Orientierung an den Löhnen der Zeitarbeit, die etwa zwischen 7,00 Euro (im Osten) und 7,90 Euro (im Westen) liegen, können nur als schlechter Witz bezeichnet werden. Wie soll man denn davon leben oder gar eine Familie ernähren können, fragen Dr. Maßmann und Ulrich Schröder.

Die noch größere Enttäuschung folgte dann auf dem CDU-Parteitag in Leipzig, wo man sich auf eine unverbindliche „Lohnuntergrenze“ einigte. Dieser Kompromiss   stellt einen Schlag ins Gesicht von Millionen fleißigen ArbeitnehmerInnen  dar, die zu Hungerlöhnen arbeiten müssen und auf Unterstützung gehofft haben.

Übrigens ließen sich die CDU Delegierten auf ihrem Parteitag von Arbeitskräften bewirten und bewachen, die zu Niedriglöhnen zwischen 6 und 7 Euro ihre Dienstleistungen erbringen mussten.

Noch vor wenigen Wochen hatte die Bundesregierung eingestanden, dass Löhne unter 10 Euro pro Stunde Altersarmut fördern. Der parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel musste nämlich zugeben, dass ein Stundenlohn von mindestens 10 Euro erforderlich wäre, um eine Grundsicherung von 684 Euro im Rentenalter zu erhalten – und das auch nur dann, wenn 45 Jahre versicherungspflichtiger Beschäftigung vorliegen!

Erst Hungerlohn, dann Altersarmut – sieht so die Zukunft für einen großen Teil der Beschäftigten in Deutschland aus? Ist das sozial gerecht?

Übrigens: Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur hat ermittelt, dass über 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einen Mindestlohn von durchschnittlich 10 Euro begrüßen würden!

„Ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn in Höhe von 10 Euro die Stunde muss in Deutschland so schnell wie möglich eingeführt werden, das würde zudem 11 Milliarden Euro Steuergelder einsparen, die der Staat jährlich ausgibt, um die Niedriglöhne mit Hartz IV Leistungen aufzustocken“, betonen Dr. Heiner Maßmann und Ulrich Schröder.