Langzeitarbeitslose haben kaum Chancen auf Jobs

02. Februar 2012  Arbeit & Kapital, Hartz IV

Die Wirtschaft boomt, leider nur in den Kassen der Arbeitgeber. Für Erwerbstätige zahlt sich dies nicht in Lohnsteigerungen aus. Und Langzeitarbeitslosen bringt dies auch keine neuen Job. Nur wenige, knapp unter 15 Prozent der Langzeitarbeitslosen konnte im vergangenem Jahr in eine Erwerbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden. In den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA) tauchen viele Langzeitarbeitslose trotzdem nicht auf.

Trotz der boomenden Wirtschaft und der damit verbundenen Steigerung der Unternehmensgewinne haben es Langzeitarbeitslose weiterhin schwer, eine feste Anstellung zu bekommen. Von den etwa 1,4 Millionen Bürgern, die länger als ein Jahr ohne Job waren und im „Boom-Jahr 2011“ ihre Erwerbslosigkeit beendeten, erhielten 208.000 eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt – das sind nur 14,9 Prozent.

Hierzu befragte DIE LINKE die Bundesregierung, aus der Antwort geht hervor, dass die BA 85% der Langzeitarbeitslosen nicht mehr als langzeitarbeitslos, obwohl sie keine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt finden. Ganze 35 Prozent werden auf Grund von Arbeitsunfähigkeit nicht mehr als langzeitarbeitslos registriert. „Wer etwa krankgeschrieben ist, wird in dieser Zeit nicht mitgezählt, weil er dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht“, führt die BA aus. 11,1 Prozent galten nicht mehr als langfristig Jobsuchende „auf Grund fehlender Verfügbarkeit oder Mitwirkung“, wie es in der Antwort auf die Fragen der LINKEN heißt. Darunter versteht die BA Erwerbslose, die zum Beispiel Termine verpassen und denen das Arbeitslosengeld (ALG) I gesperrt oder ALG II (Hartz IV) gestrichen wird. Weitere 23 Prozent zählen nicht mehr als langzeitarbeitslos, weil sie von einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme profitierten. Dabei kann es sich um einen Lohnkostenzuschuss, Ein-Euro-Jobs oder eine Qualifizierung handeln. Danach sind sie entweder weiter auf Arbeitslosengeld angewiesen, machen sich selbständig oder finden einen Job. Je nach Programm gelinge es so, 50 bis fast 70 Prozent der Teilnehmer in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sagte die BA. Deutlich besser sieht es für die Arbeitslosen aus, die weniger als zwölf Monate erwerbslos waren und ebenfalls ihre Arbeitslosigkeit beendeten. Von ihnen erhielten gut ein Drittel einen richtigen Job. Wenn auch vielfach in der Zeitarbeit oder auf andere Weise prekär.

Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Langzeitarbeitslosigkeit damit nur geringfügig um 31.000 Personen beziehungsweise drei Prozent ab. Auffällig ist dabei der Unterschied zwischen den ALG-I-Beziehern und den langzeitarbeitslosen Hartz-IV-Empfängern: In der ersten Gruppe lag der Rückgang bei 16 Prozent, in der Hartz-IV-Gruppe betrug er nur ein Prozent.

Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der LINKEN, fordert daher die Bundesregierung auf, mehr für Langzeitarbeitslose zu tun – statt Fördergeld weiter zu kürzen. Für eine zielführende Weiterbildung und Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen müssen endlich ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden.